Leben in der Gemeinschaft & Gegenwart Gottes

Leben in der Gemeinschaft & Gegenwart Gottes

Leben in der Gemeinschaft & Gegenwart Gottes – Sukkot 2026

Vor einiger Zeit habe ich mit meinem mittleren Sohn Bibel gelesen und er sagte: „Ach Mann, warum haben Adam und Eva nur gesündigt? Wäre das nicht passiert, könnten wir heute immer noch im Garten Eden mit Gott spazieren.“ Wer hatte auch schonmal einen solchen Gedanken? Für euch gibt es gute Nachrichten: dieser Wunsch kann sich erfüllen. Was hat das mit Sukkot zu tun?

2.Mose 23,16
Und du sollst halten das Fest der Ernte, der Erstlinge deiner Früchte, die du auf dem Felde gesät hast, und das Fest der Lese am Ausgang des Jahres, wenn du den Ertrag deiner Arbeit eingesammelt hast vom Felde.

Das landwirtschaftliche Jahr endet mit der Ernte im Herbst. Sukkot ist der letzte Festtag des Herrn. Ein Zyklus endet und ein neuer beginnt. Die Feste zeigen eine Abfolge von Ereignissen. Die letzten drei folgen Schlag auf Schlag: Jom Teruah – Die Zeit der Vorbereitung und Umkehr, Jom Kippur – für den einen Gericht und Urteil, für den anderen Versöhnung, Sukkot – die Rückkehr in die Gegenwart Gottes. Die Feste sind jedes Jahr eine Anleitung, um zu dem Zustand zurückzukehren, mit dem alles angefangen hat.

Gehen wir mal Rückwärts: Bei der Schöpfung waren wir in der innigen Gemeinschaft mit Gott (Sukkot). Sünde führt zu Urteil und Trennung zwischen Menschen und Gott (Anti Yom Kippur). Der Mensch wendet sich ab, dreht sich um und entfernt sich (Anti Jom Teruah), der Mensch wird immer gottloser und gesetzloser in seinem Treiben (Anti Shavuot) und begibt sich immer tiefer in die Sklaverei der Sünde (Anti Pessach). Darum liebe ich Sukkot – es ist das Fest, das keinen „Antipol“ hat.

Auf der Beziehungsebene zwischen Gott und uns beginnt alles mit Sukkot und alles Endet mit Sukkot. Ein Happy End für alle, die sich diesen ursprünglichen Zustand zurückwünschen in der Gegenwart Gottes.   

Sukkot steht somit genau an der Schwelle zwischen Jahreszyklen, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen dieser Welt (Olam haZe) und der kommenden Welt (Olam haBah).

Auf der einen Seite gedenken wir der Zeit, als Gott uns aus Ägypten führte und uns in der Wüste in Hütten und Zelten wohnen ließ und er selbst wohnte in einem Zelt der Begegnung, in einer Stiftshütte inmitten seines Volkes. Gleichzeitig ist Sukkot ein Fest der Zukunft. Die Sukka taucht immer wieder in Prophezeiungen der künftigen Welt auf:

Sacharja 14:7-10 / 16 Und es wird ein einziger Tag sein – er ist dem HERRN bekannt! –, es wird nicht Tag und Nacht sein, und auch um den Abend wird es licht sein. 8 Und an jenem Tag werden lebendige Wasser aus Jerusalem fließen, die eine Hälfte zum Meer im Osten und die andere Hälfte zum Meer im Westen, und so wird es sein im Sommer und im Winter. 9 Und der HERR wird König sein über alle Lande. An jenem Tag wird der HERR der einzige sein und sein Name der einzige. 10 Und das ganze Land wird verwandelt werden […] 16 Und alle, die übrig geblieben sind von allen Völkern, die gegen Jerusalem zogen, werden jährlich heraufkommen, um anzubeten den König, den HERRN Zebaoth, und um das Laubhüttenfest zu halten. 

Offenbarung 21,1-3
Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;

Die Sukka Gottes bei den Menschen. Die Beschreibung dieser Stadt, die aus dem Himmel auf die Erde kommt, ist so ziemlich das schönste und prächtigste, was man sich vorstellen kann: Gold, kostbare Edelsteine, Perlen als Baumaterial.
Für Gott eine Hütte. Er hat es uns schonmal gesagt – IHM geht es nicht um Gebäude. Was er sich wünscht, ist Beziehung und Gemeinschaft mit seiner geliebten Schöpfung und dafür würde er sogar in einer Hütte wohnen. Und einen Tempel gibt es in dieser Stadt nicht.

Offenbarung 21:22 Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, er und das Lamm.

Nach dem Sündenfall hat Gott immer wieder Wege gesucht trotz Sünde mit seiner Schöpfung zu wohnen. Volk lebt in Zelten in der Wüste und Gott schlägt auch sein Zelt auf. Das Volk zieht ins Land ein und baut Häuser – Gott erlaubt, dass wir ihm einen Tempel bauen.

Aber das war nicht genug, weil unser Herz immer wieder untreu wurde und es Gott unmöglich machte uns nahe zu sein, ohne uns zu zerstören – wir hätten seine Gegenwart nicht ausgehalten, ohne Bedeckung durch das Blut von Tieropfern (wie eine Schutzkleidung).

Joh 1:14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Der Vater schickt seinen kostbaren Sohn, den Maschiach Jeschua, als Lamm dessen Blut am Holz unsere Sünde nicht nur bedeckt, sondern sie beseitigt und unser Wesen in dieser Welt erneuert damit wir bereit sind für Gemeinschaft mit Gott in der künftigen Welt.

Ich stelle mir die künftige Welt so vor: Ein Tag der Ernte geht zu Ende und du genießt die warmen Lichtstrahlen auf dem deinem Gesicht und lächelst zufrieden. Es war das letzte Stück Feld für diese Saison. Die Ernte ist eingebracht. Alle sind angenehm erschöpft wie nach einem guten Workout. Alle sind glücklich und zufrieden mit sich und ihrer Arbeit. Auf dem Feld steht eine Hütte oder ein Zelt, eine Sukka, wo alle Erntehelfer und der Besitzer des Feldes zusammenkommen.
Der Tisch ist reich gedeckt mit Leckereien, jemand hat Instrumente dabei, man singt, lacht und hat einfach eine großartige Gemeinschaft mit den besten Freunden und seiner Familie. So stelle ich mir die Ewigkeit vor.

Ähh, sekunde. Wo sind die Wolken, auf denen wir herumhüpfen? Wo sind die kleinen dicken Engel, die überall Harfe spielen? Und warum redest du von Feldarbeit? Wir werden doch für immer Urlaub haben im Himmel, ohne physischen Körper.

Ich kann euch das Buch „Ruhe, Arbeit, Ewigkeit“ von Mark Comer sehr ans Herz legen. Er nennt diese Vorstellung: „Theologie der Evakuierung“. Unser ganzes Leben auf der Erde hat nur einen Zweck: rechtzeitig ein Ticket für den Himmel zu kriegen, bevor diese Welt und alles auf ihr verbrennt. Zuvor kommt Jeschua um die Welt zu richten und nimmt seine Leute mit in den Himmel und dort hat man einen ewigen Urlaub. Comer zeigt, dass die Vorstellung aufbaut auf einem falschen Verstehen von:

2.Petrus 3,10 und 5-7
Der Tag des Herrn aber wird kommen wie ein Dieb; dann wird der Himmel verschwinden mit grossem Getöse, die Elemente des Alls werden sich in der Hitze auflösen, und die Erde, die Werke, die auf ihr vollbracht wurden, werden zutage kommen.

5-7 Denn sie wollen nichts davon wissen, dass der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde, die aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte durch Gottes Wort; dadurch wurde damals die Welt in der Sintflut vernichtet. So werden auch jetzt Himmel und Erde durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen.

2.Petrus 3,13 Wir warten aber aufgrund seiner Verheißung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.

Ja, wir erwarten einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und unser jetziger Himmel und unsere Erde werden in Feuer vergehen, genauso wie vorzeiten bereits der erste Himmel und die erste Erde durch die Flut vergangen sind. Leben wir nach der Flut auf einem anderen Planeten? Oder in einer anderen Dimension?

Nein, es ist immer noch die gleiche geschaffene Erde, aber wie auf Werkseinstellungen zurückgesetzt. Wie ein marodes Gebäude, das nicht abgerissen wird, sondern kernsaniert und restauriert. Die Welt nach der Flut ist definitiv eine andere: das Klima ist anders, die menschlichen Bewohner sind andere und es gibt neue Regeln. Unsere Welt wird also nicht vernichtet, sondern grunderneuert, gereinigt von allem Bösen, repariert – Unsere Tradition nennt das Tikkun.

Der „Tag des Herrn“ ist für unser Volk ein stehender Begriff, der diese Welt von der künftigen Welt trennt. Olam haze ist geprägt von Rebellion, Sünde, Gewalt, Krankheit, Schmerz und Leid und Tod. Olam haba ist wie die Rückkehr zum ursprünglichen Zustand der Schöpfung, geprägt von Gerechtigkeit, Frieden und Ewigkeit.

Und es ist keine Ewigkeit des Nichtstuns. Schauen wir mal, wie der Prophet Jesaja dieses künftige Zeitalter beschreibt:

Jesaja 65:17-19 / 21-22
Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. 18 Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude, und ich will fr
öhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. […] 21 Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen.

Wir haben ein gestörtes Verhältnis zur Arbeit. Wir empfinden sie als Fluch, aber nicht die Arbeit ist das Problem. Unsere Sünde hat den Acker verflucht, so dass er seine Frucht schwer hergibt und wir im Schweiße des Angesichts schuften müssen, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen.

Aber tatsächlich ist die Arbeit Gottes Auftrag an seine Schöpfung: wir sollten als seine Ebenbilder, seine Stellvertreter in dieser Welt herrschen, als seine Partner. Gott wollte, dass das unser gemeinsames Projekt wird: die Welt gestalten und sie kultivieren.

Aus einem wilden Garten eine wunderschöne Gartenstadt machen. Genau dieses Bild wird am Ende des Buches Offenbarung skizziert. Wir sehen das neue himmlische Jerusalem auf die Erde kommen, wir sehen Wasserströme, Bäume, Tiere (bei Jesaja: Wolf und Lamm sollen beieinander weiden)

Offenbarung 22:1-2 Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes, mitten auf ihrer Straße und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker.

Auch schön zu bemerken: die innige Einheit Gottes und des Mashiach: Das Wasser strömt „vom Thron Gottes und des Lammes“, „Gott und das Lamm sind der Tempel“ der Stadt. Sie bilden eine Einheit, die gemeinsam herrscht und gemeinsam verehrt und angebetet wird von irdischen und himmlischen Wesen.

Dieses lebendige Wasser verbindet sehr schön unser heutiges Fest mit der künftigen Welt. Wir denken da an die Wasserzeremonie an Sukkot:
Johannes 7,37-38 Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.

Sachaja 14 spricht vom lebendigen Wasser, das aus Jerusalem fließen wird, Jeschua sagt komm zu mir und trinkt dieses lebendige Wasser und in der künftigen Welt fließt diese Wasser vom Thron aus – das ist der Geist Gottes, der all das in Sukkot verbindet: die Vergangenheit, unsere Gegenwart und die Zukunft.

Wasser, Früchte vom Baum des Lebens? Haben wir in der kommenden Welt überhaupt einen physischen Körper? Im Korintherbrief lernen, dass es irdische Körper gibt und himmlische, Körper mit unterschiedlicher Herrlichkeit und trotzdem bleibt es nicht so ganz klar.

Ich versuche mich an einem Ablauf: Wenn unser irdischer, physischer Körper stirbt, dann nennt die Bibel den Zustand „Schlaf“
5.Mose 31:16 Und der HERR sprach zu Mose: Siehe, du wirst schlafen bei deinen Vätern,

In dieser Zeit kommt die Seele eines Menschen, der keinen Frieden mit Gott geschlossen hat ins Totenreich/ Sheol bis zum Tag es Gerichtes, wo sie nach ihren Werken gerichtet wird. Der Mensch, der sein Vertrauen in Gott gesetzt hat, kommt nach dem physischen Tod ins Himmelreich, bis dieses auf die neue Erde herunterkommt. Dann folgt die Auferstehung.
Daniel 12:2 Viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden erwachen …“

Wir bekommen einen neuen bzw. erneuerten Körper, der keine Krankheit, keinen Schmerz leidet und nicht verwest. Das ist „das Leben, nach dem Leben nach dem Tod“.

Und vielleicht ist dieser Körper ähnlich dem von Jeschua nach der Auferstehung: Er ist erkennbar, wenn auch erst auf den zweiten Blick, er ist materiell und kann angefasst werden und essen, gleichzeitig konnte Jeschua sich plötzlich an andere Orte begeben, verschwinden oder einfach in einem Gebäude erscheinen.

In dieser erneuerten Welt, mit neuem Himmelszelt und neuer Erde und erneuerten Körpern, nehmen wir wieder die Arbeit auf, die Gott uns von Anfang an gegeben hat: zu herrschen, uns zu kümmern, zu kultivieren. Darum ist unsere Arbeit in dieser Welt auch nicht irrelevant. Es kommt darauf an, was wir arbeiten und wie wir arbeiten.

Miroslav Volf, ein Theologe und Philosoph beschreibt es so: „alles schöne, wahre und gute in den menschlichen Kulturen werden von Unreinheit gereinigt, vervollkommnet und verklärt, um in Gottes neue Schöpfung einzugehen. Sie werden das Baumaterial darstellen, aus dem die herrliche Welt geschaffen wird.“

1.Korinther 15:58 Darum, meine lieben Brüder und Schwestern, seid fest und unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, denn ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. 

Gabriel hat mir letzte Woche eine lustige Geschichte erzählt, von einem Mann, der nach dem Tod in den Himmel kommt und Petrus führt ihn durchs himmlische Jerusalem, an schönen Häusern vorbei.
Sie müssen recht weit laufen und irgendwann kommen sie an einer kleinen Hütte an. Das ist dein Haus sagt Petrus. Der Man bedankt sich aber fragt: warum habe ich so eine kleine Hütte? Und Petrus antwortet: „Das war das Beste, was wir tun konnten, mit dem Material, das du uns geschickt hast.“

Diese Erzählung transportiert die Botschaft, dass wir uns in dieser Welt bereits um die künftige Welt kümmern können, indem wir die Prioritäten richtig setzen und zuerst nach dem Reich Gottes schauen. Wie wir aus unserer alltäglichen Arbeit einen Gottesdienst machen, darüber sprechen wir ein anders mal.

Die Schöpfung ist kein gescheitertes Projekt (Tov meod). Gott vernichtet sie nicht – Er erneuert sie. Eine unschuldige, naive Beziehung ist schön durch ihre Reinheit.
Aber eine Beziehung, die durch ein Tal der Entfernung, Verletzung, des Schmerzes, des Leides hindurchging und dann wieder zueinander fand, aus eigener Entscheidung heraus – hat eine ganz eigene besondere Wertigkeit. Solche Beziehungen haben oft eine besondere Tiefe.

Uns erwartet eine wunderbare erneuerte Welt, wo wir Gottes Nähe und Gemeinschaft ganz intim und nah erleben werden. Bis dahin genießen wir den Vorgeschmack darauf am Shabbat und in der Sukka.